Startseite
Niederhausen
Fussball
Alpentourer
1999-Mittenwald
2000-Stubaital
2001-Allgäu
2002-Ahornboden
2003-Ötztal
2004-Oberstdorf
2005-Königssee
2006-Zillertal
2007-Meran
2008-Heilbronnerweg
2009-Mindelheimerweg
2010-Soiernrunde
2011-Dolomiten
2012-Ötztal+Stubai
2013-Tannheimer Tal
WeinWanderWeg
Impressum
Links

Hallo,

schön das Sie wieder da sind. Diesesmal waren wir hier unterwegs:

2000 - Stubaital,

ungeahnte Höhen.

 

 

Bereits kurz nach der Rückkehr von unserer ersten Wanderung hatten wir uns schon das nächste Ziel ausgesucht. Es sollte etwas höher hinaufgehen und wir einigten uns auf das Stubaital. Dieses Gebiet hat in Wandererkreisen einen wohlklingenden Namen und so fingen wir mit der Planung an. Aus unserem Trio war inzwischen mit Reiner Gurlt ein Quartett geworden. Auch bei den Rucksäcken konnte das Gewicht deutlich reduziert werden, war mit gut 13 Kg aber immernoch ordentlich. Nun hatte auch jeder ein paar Teleskopstöcke dabei, die uns gute Dienste leisteten. Meine Fotoausrüstung mit dem schweren Teleobjektiv, ca.4Kg, tauschte ich gegen eine Videokamera und einen kompakten Fotoapparat aus. Dieser Umstand führte dazu, daß nur relativ wenige Fotos gemacht wurden.

Hier ein paar Ausschnitte aus dem Video:

 

 

 

Im Frühjahr war dann unser Plan fertig, inklusive Plan B, doch der half am Ende auch nicht weiter. Erhard war wieder bereit mit seinem PKW zu fahren und so machten wir uns voll beladen auf den Weg. Direkt nach der Europabrücke am Brenner geht es rechts ab und man kommt nur weiter wenn man die Mautgebühr entrichtet hat. Über Neustift und Falbeson  fanden wir hinter Ranalt einen schönen Wanderparkplatz. Die Tour konnte beginnen, siehe Grafik.

 

 

Gegen 14.00 Uhr begannen wir mit dem gut 1200 Höhenmeter umfassenden Aufstieg. Dank der zahlreichen Schilder ist der schmale Pfad im Wald leicht zu finden. Dort geht es auch gleich richtig steil hinauf. Beim weiteren Aufstieg quert man mehrfach die Schotterstraße, die zur Ochsenalm führt. Dort auf über 1800 m machten wir um 16.30 Uhr eine Pause und konnten unser Tagesziel weit oben bereits erkennen. Bis zur neuen Regensburger Hütte waren es aber nochmal 2 Stunden.

 

 Inzwischen waren dunkle Wolken aufgezogen und es begann leicht zu regnen. Wasserdicht verpackt wanderten wir weiter über den schmalen Steig neben dem Bachlauf. In halber Höhe kurz vor dem steilen Schlussanstieg ging der Regen in Schnee über und es hatte sich merklich abgekühlt auf gerademal knapp über 0°C.

 

Die Ochsenbodenalm beim Abstieg, 1820 m

Zu allem Überfluss erwischte Sepp noch ein ausgewachsener Muskelkrampf im Oberschenkel. Nach kurzer Überlegung mussten wir uns eingestehen einen dummen Anfängerfehler gemacht zu haben. Während der Pausen hatten wir nämlich nichts gegessen und viel zu wenig getrunken. Das sollte uns in Zukunft nicht mehr passieren. So kamen wir erst nach 19.00 Uhr bei einsetzender Dämmerung oben an. Wieder aufgetaut und trockengelegt kamen bei gutem Essen die Lebensgeister wieder zurück. Draußen aber hatte es sich eingeschneit und unser Weg für Morgen war mehr als fraglich. Der sollte uns über Grawagrubennieder auf 2882 m zur Dresdnerhütte führen. Die Zigarette vor der Tür wollte nicht so richtig schmecken, denn es stürmte und schneite ordentlich weiter. Eine Erfahrung reicher und ziemlich müde zogen wir uns zeitig zur Nachtruhe zurück.

 

Da war nix zu machen!

Der erste Blick aus dem Fenster, noch im morgentlichen Dunkel, bestätigte meine Vorahnung und es war eine Planänderung erforderlich. Erwartungsgemäß war auch beim Frühstück die Stimmung im Keller, nicht nur bei uns. Mangels Alternativen und angesichts des etwas knorrigen Hüttenwirts Lorenz Knoflach wollten wir hier nicht länger verweilen und beschlossen abzusteigen. Unten wird uns schon etwas einfallen.

 

Die Neue Regensburger Hütte, 2286 m. So hätten wir es auch gern gehabt, das Foto stammt aber aus dem Wanderführer.

Gerade hatten wir den Abstieg begonnen, schien auch die Sonne wieder als wäre nichts gewesen. Unten angekommen machten wir im Waldgasthof, zu dem die Hütte gehört, eine ausgedehnte Mittagspause und legten folgenden Plan zurecht. Mit dem Bus fahren wir die etwa 10 Km bis zur Mutterbergalm, 1721 m. Dann weiter durch den Gamsgarten hinauf zur Dresdnerhütte auf 2308 m. Verlockend fuhr neben dem Steig die Stubaier Gletscherbahn hinauf in Österreichs größtes Ganzjahresskigebiet auf über 3000 m. Wir aber waren ja zum Wandern hier. In halber Höhe begann es dann erneut leicht zu regnen und der Blick ins Tal zeigte nur ein graues Nichts. Ebenso unerschrocken wie die entgegenkommenden Schafhirten setzten wir unseren Weg fort. Zum Wochenende war der alljährliche Almabtrieb in vollem Gange. Nachdem die größten Steigungen überwunden waren, mündet der Pfad in flaches Plattengelände und die Hütte ist schnell erreicht. Hier von einer Hütte zu sprechen finde ich doch eher unangebracht. Der Riesenbau ist mit über 200 Übernachtungs- möglichkeiten eine der größten in den Alpen überhaupt. So präsentiert sie sich auch innen als modern und kommerziell ausgerichteter Betrieb und lässt eine echte Hüttenstimmung im ersten Moment gar nicht aufkommen. Aufgrund des schon erwähnten Skibetriebes das ganze Jahr hindurch, kann man sich die notwendige Massenabfertigung lebhaft vorstellen. Da aber nicht allzuviel Betrieb war, ergab sich für uns die Möglichkeit mit den sogenannten oder etwa selbsternannten (?) Spezialisten in Kontakt zu kommen. So fand sich auch die Seilschaft für den nächsten Tag. Dann geht es hinüber zur Nürnberger Hütte.

 

 

Nach der Quartiereinteilung entwickelte sich ein feucht-fröhlicher Abend, der für einige Mitstreiter ungenehme Folgen haben sollte, nicht für uns, aber ich sag ja nur...! Schon bald flogen zahlreiche weiße Tauben durch die Stube und wir bekamen eine hochinterressante Routenbeschreibung. Wir warfen uns fragende Blicke zu: wollen die uns verarschen oder einschüchtern? Als dann die Rede auf das berüchtigte "Brett" kam, waren die Herrschaften auf dem Höhepunkt ihres Treibens. Dieses wurde wie folgt beschrieben: 10 m lang, 20 cm breit ohne Sicherung über einem tiefen Abgrund! Das genügte unserem Kameraden Reiner um mehrfach die Gesichtsfarbe zu ändern. Bergführer Heini, der sich uns angeschlossen hatte und das Gebiet seit mehr als 30 Jahren bestens kennt, konnte die Sache aber schnell entscheidend entschärfen, was bei Reiner aber nicht wirklich gelang. Zu fortgeschrittener Stunde hatten die vielen Radler ihre Wirkung nicht verfehlt und auch die Kleinen zwischendurch waren in diesem Sinne recht erfolgreich. Auch die erwähnten Vögel hatten einigemale dranglauben müssen und wir zogen uns dezent aber bestimmt zurück zur Nachtruhe.

 

In derÜbersicht ist die gesamte Route zu erkennen. GOOGLE EARTH® Grafik: HwD©

Der Plan sieht also so aus:

Übers Peiljoch, 2676 m, zur Sulzenauhütte, 2191 m, weiter übers Niederl, 2626 m zur Nürnbergerhütte, 2297 m, in 6 bis 7 Stunden.

Wir hatten gut geschlafen und uns gut erholt, im Gegensatz zu einigen Kameraden, und waren voller Tatendrang. Der wurde leicht gebremst beim ersten Gang vor die Tür. Um 8.00 Uhr schien zwar schon die Sonne aber es hatte nur 0°Celsius, brr..! Wir gingen erst um 9.00 Uhr los und folgten den Spuren einer Gruppe die bereits unterwegs war. Die Kälte sollte bis Mittag anhalten, da wir uns ja auf der Nordseite und damit im Schatten befanden. Bis oben hatten wir mit vereisten Stellen zu kämpfen und kamen nur sehr langsam voran. Die hessischen Kameraden, die sich selbst als "Aschebescher" bezeichneten, hatten hier ein Opfer zu beklagen und mussten den noch alkoholisierten Kumpel zurückbringen. Die waren stinksauer! Endlich hatten wir den Grat erreicht und machten in der Sonne eine verdiente Rast.

 

 

Blick zurück zur Dresdnerhütte

Bei herrlichem Sonnenschein setzten wir unseren Weg fort, vorbei an unzähligen Stoamandln bis der Blick auf die Gletscher des wilden Freigers und dahinter des Zuckerhütls frei wurde. Eine atemraubende Aussicht die uns geradezu bedrängte, hier ein Gruppenfoto zu machen, bitteschön!

 

Die Alpentourer Nahetal mit Bergführer Heini, rechts:

 

Aber da war doch noch was, ach ja : dieses ominöse Brett? Dort angekommen konnten wir die schlagartig verbesserte Laune bei Reiner erkennen. Die Steine, die da kullerten hätten die Randmoräne locker bedecken können. Dieses Brett erwies sich als, bei Steigen dieser Art übliche, eingebaute Steighilfe. Nahezu waagerecht und einen halben Meter breit mit Stahlseilen abgesichert war es ein harmloser Übergang. So erleichtert kamen wir gegen Mittag auf der Sulzenauhütte an und machten eine Rast.

 

Stoamandln am Peiljoch

Bis hier hatten wir aber erst die Hälfte unserer Tagestour geschafft. Gestärkt geht es weiter in Richtung Nürnbergerhütte. Nach etlichen Bögen und Kurven erreichten wir den Grünausee, einen durch die Randmoräne aufgestauten Gletscherabfluss des wilden Freigers in ca 2500 m Höhe. Vorbei an großvolumigen Murmeltierhöhlen standen wir plötzlich vor einer 100 m hohen Wand. Das Niederl baute sich vor uns auf. Dieser Übergang hatte es mit 2626 m Höhe in sich und war am Ende nur mit den angebrachten Seilen und Ketten zu meistern. Das war aber der letzte Anstieg für heute. Mit diesem Gedanken ließen wir uns oben zu einer weiteren Rast nieder bis wir tief unten das Tagesziel erspähten. Dahin geht es nochmal über 400 m steil abwärts durch grobes Gestein, nicht einfach. Reiners Ruf nach einem Bus oder gar Hubschrauber blieb ungehört, es half nichts, da mussten wir runter.

 

                              

Am eiskalten Grünausee, ca. 2500 m.

18.50 Uhr, wir haben es geschafft. Allerdings nicht ohne folgenreiche Blessuren. So klagte Erhard über heftige Schmerzen im Knie und Reiner im Rücken. Wir hofften das mit Salbenverbänden über Nacht wieder halbwegs hinzukriegen, aber es sah nicht gut aus für Morgen. Eigentlich wollten wir dann in einer Tagestour den Hausberg der Hütte, die Mairspitze mit 2781 m erklimmen.

 

Der steile Aufstieg zum Niederl, 2626 m

Am nächsten Tag zeigte sich aber keine wesentliche Besserung und für uns stand fraglos fest: entweder Alle oder Keiner! Also brachen wir die Tour bereits heute am Samstag ab denn wir hatten ja noch einen Abstieg von gut 3 Stunden bis zum Auto vor uns.

 

Versteckt tief unten im Schatten, die Nürnbergerhütte, 2297 m.

Diese Entscheidung fiel uns nicht leicht aber wir hatten es gemeinsam so entschieden. Den Abstieg unterbrachen wir noch einmal mit einer letzten Rast auf der Bsuchalm, 1520 m, wo ebenfalls der Almabtrieb in vollem Gange war.

 

Abschied vom Stubaital auf der Bsuchalm,1520 m.

Dadurch gestaltete sich die Heimfahrt recht zäh, denn nicht nur hier auf der schmalen Talstraße wurde der Verkehr durch den Vietransport beeinträchtigt. Auch später am Fernpass bildete sich eine lange Autoschlange. Trotzallem war es wieder eine sehr schöne Wanderung und wir sind zufrieden.

TSCHÜSS STUBAI

 

 

© Steyerhof Studios | billydaum@web.de